Inhalt

Die indigene Kunst Australiens ist die Kunst mit der weltweit längsten Tradition. Hinter der vordergründig ästhetischen Schicht befinden sich zahlreiche kulturelle, soziale und politische Dimensionen.
Die Kunstschaffenden erzählen in ihren Arbeiten von der ältesten lebenden Kultur weltweit, ihre Verbindungen zum Land und untereinander, aber auch von Landraub, Kindesraub (sogenannte “Stolen Generation”) und Diskriminierung/Marginalisierung, die bis heute anhält.
PART I enthält Geschichten rund um die Hintergründe der Aboriginal Art, ihre Entstehung und Verbreitung, ihre Wahrnehmung als Kunst sowie ihre Akzeptanz und Bedeutung im globalen Kunstmarkt. Dies geschieht aus deutscher Perspektive und anhand heterogener Narrative, die jeweils andere Facetten dieser vielseitigen Kunst in den Vordergrund rücken, um sich so der Aboriginal Art als einer der spannendsten modernen Kunstbewegungen weltweit anzunähern.
Daneben führt PART I in die verschiedenen Kunstregionen des Kontinents ein, wobei ein Schwerpunkt auf den Central und Western Deserts und der Kunst aus Arnhemland sowie auf der Zeit von 2007-2024 liegt.
Diese Zeit war insbesondere durch den Aufstieg der APY Lands geprägt. Das Spinifex Arts Project aus der Great Victoria Desert und Buku-Larrngay Mulka aus East Arnhem Land nehmen in INDIGENIUS eine besondere Rolle ein, das es die Lieblingskunstzentren des deutschen ARTKELCH-Publikums waren.
PART II ist ein praktischer Ratgeber: ein Führer zu indigenen Kunstzentren, Museen und Galerien, also zu den Orten, wo man hochwertige indigene Kunst aus Australien sehen, kaufen und feiern kann. Er soll einer interessierten Leserschaft den Weg durch den unregulierten und oftmals skrupellosen Aboriginal-Art-Markt weisen. Vor allem aber soll dieser Abschnitt aufklären über Provenienz, die Arbeit von indigenen Kunstzentren und den fairen Umgang mit indigener australischer Kunst.
Damit will INDIGENIUS Museumsdirektor:innen und Kurator:innen, Messeauswahlgremien, ambitionierte Kunstsammler:innen und Neulinge der Contemporary Aboriginal Art in die Lage versetzen, informierte Auswahl- und Kaufentscheidungen zu treffen.
PART III beschreibt die Verbreitung und Rezeption der Contemporary Aboriginal Art in Deutschland in den letzten zwanzig Jahren und meine ganz persönliche Erfahrung als Galeristin bei der Förderung indigener australischer Kunst am anderen Ende der Welt. Dabei gebe ich auch Interna zum Markt und zum (wirtschaftlichen) Erfolg von ARTKELCH sowie einzelner Kunstzentren bzw. Künstler:innen preis. In ‘Bekenntnisse einer Galerie: Geschichten zum Weinen und Lachen’ erlaube ich dem Lesenden einen Blick hinter die Kulissen, indem ich von den (teils unglaublichen) Erlebnissen einer Galeristin für australische Gegenwartskunst in Deutschland erzähle.
So ist INDIGENIUS nicht nur ein schönes, sondern vor allem ein edukatives Buch, in dem es darum geht, möglichst viel von meinem Knowhow und meiner Erfahrung weiterzugeben, und zwar in einer Form, die es einer diversen Leserschaft ermöglicht, selbst zu entscheiden, wie tief sie bei einzelnen Kapiteln ins Detail einsteigen möchte.
Mein Wunsch ist, dass Sie damit selbst zur weiteren Anerkennung der Aboriginal Art als zeitgenössische Kunst beitragen.
Foto:
‘Baratjala’ von Nongirrŋa Marawili © Buku-Larrŋgay Mulka